VC-Sanitz überzeugt im Sand

Traditionell fand am Pfingstwochenende der 37. An-Bagger-Cup in Warnemünde statt. Mit bis zu 144 Mannschaften (diesmal nur 112 Paare) ist es eins der größten Mixed-Beachvolleyballturniere in Deutschland. Hier trifft sich das Who is Who der Beachszene und folgerichtig durfte auch eine Delegation des VC Sanitz nicht fehlen.

Nach fast zwei-jähriger Beachvolleyballabstinenz wegen einer Babypause war Claudia zwar nicht in der Form ihres Lebens, aber sie konnte meiner Überzeugungskraft nicht widerstehen und wir meldeten uns fristgerecht an. Als wir dann Samstag früh von unserer Tochter aus dem Schlaf gerissen wurden, der Wind an unser Fenster peitschte und wir die Wettervorhersage für Sonntag hörten, wollten wir schon fast im Bett bleiben. Vielleicht war es post-jugendlicher Leichtsinn oder Übermut oder wir konnten uns einfach nichts besseres vorstellen als bei 10 Grad und bis zu Windstärke 8 einen „gepflegten“ Ball zu spielen, aber wir fuhren tatsächlich nach Warnemünde und pünktlich um 8.45 Uhr begrüßten wir altbekannte Beachvolleyballer am Strand.

Schon in den ersten Spielen zeigte sich, dass der „alles-ist-möglich-Donnerstag“ vom VC Sanitz dieses Mal am Pfingstwochenende statt finden sollte. Wir konnten gestandene Regionalligaspieler aus Berlin oder Hamburg beobachten, die sich in ihre F-Jugend-Zeit  zurück versetzt gefühlt haben müssen. Die Windverhältnisse waren wirklich widrig und viele Spieler kamen damit gar nicht zurecht. In unserer Vorrunde wollten wir nach langer Spielpause als Paar erstmal ins Turnier finden. Wir müssten uns lediglich einem späteren Finalisten aus dem A-Cup und einem Team mit Zweitligaerfahrung geschlagen geben und landeten auf dem 3. Platz. Damit waren wir für den B-Cup qualifiziert.

Um am Sonntag spielen zur dürfen, mussten wir in der Gruppenphase unter die besten drei Teams kommen. Ohne Satzverlust wurden wir souverän Gruppenerster und konnten uns somit eine perfekte Ausgangssituation für das 24-Double-Out (nach zwei verlorenen Spielen ist Schluss) erarbeiten. Einziger Wermutstropfen an diesem Tag waren die kalten Hände zwischen den Spielen. An Mütze, Beachsocken und lange Hosen hatten wir ja gedacht, aber Handschuhe, Mitte Mai!!!, wie konnten wir die nur vergessen?
Als wir uns dann am Sonntag zum Strand begaben, sahen wir eher aus als ob wir an einer Skitour teilnehmen wollten als an einem Beachvolleyballturnier. Unsere Hände wurden in dicke Handschuhe gehüllt, müssten laut Reglement jedoch zu den Spielen entblößt werden. Unsere Mützen ließen wir natürlich auf. Zu Wind und Kälte kam an diesem Tag noch Regen. Umso erstaunter waren wir, dass alle 24 Teams zum Double-Out erschienen. Als Gruppenerster des Vortages hatten wir im ersten Spiel ein Freilos und konnten unsere Gegner für die nächste Runde beobachten. Schnell wurde uns die Taktik klar: gut Aufschlagen und natürlich den Wind nutzen.

Nach dieser Erkenntnis konnten wir nur gewinnen und waren schnell eine Runde weiter. Nun mussten wir gegen bekannte Gesichter vom SV Warnemünde antreten. Technisch und auch athletisch waren uns beide Spieler klar überlegen. Doch nach über 12 Jahren als Paar, konnten wir eine geschlossene „Mannschaftsleistung“ abliefern und auch diesen Gegner bezwingen. Jetzt war es nur noch ein Sieg bis zum Halbfinale und wir hatten noch kein Spiel verloren. Wieder eine perfekte Ausgangssituation. Leider musste unser nächster Gegner aus Lübeck verletzungsbedingt aufgeben und wir hatten eine längere Spielpause. Gegen 15 Uhr stand das Halbfinale an und der Sturm hatte Windstärke 8 erreicht. Zu allem Überfluss kam auch noch etwas Regen dazu und an ein „gepflegtes“ Beachvolleyballspiel war nicht im Geringsten zu denken. Wieder waren unsere Gegner technisch top ausgebildet und überzeugten mit starkem Aufschlag. Dem hatten wir nur wenig entgegen zu setzen und verloren den ersten Satz. Wir konnten uns jedoch steigern und nach zähem Kampf gegen das junge Team und den erbarmungslosen Wind, standen wir am Ende im Finale.

Zum Glück ließ der Wind jetzt nach und auch die Sonne zeigte sich mal wieder. Fast optimale Spielbedingungen für das letzte Spiel an diesem Tag. Berauscht vom Einzug ins Finale oder einfach nur überglücklich über die verbesserten Wetterbedingungen befanden wir uns „im Tunnel“. Dieser Zustand ist wohl gleich zu setzen mit gefühlter Unbesiegbarkeit und folgerichtig konnten wir einen starken Gegner nach nur zwei Sätzen besiegen. Überwältigt vom ersten Triumph nach bestimmt zehn Anläufen und nach dezentem Hinweis von Claudia musste ich erstmal baden. Am Wasser erntete ich nur ungläubige Blicke von in Gore Tex gehüllten Passanten. „Wie kann man bei diesem Wetter nur baden gehen, der muss ja wohl verrückt sein“, werden einige da gedacht haben und hatten damit nicht ganz unrecht. Aber Beachvolleyballspielen, das hat uns das Pfingstwochenende gezeigt, kann man bei jedem Wetter.

Neben dem An-Bagger-Cup in Wärnemünde wurde an diesem Wochenende noch in Damp an der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste gespielt. Auch hier wurde der VC Sanitz durch starke Damen-, Herren- und Mixed-Teams gebührend vertreten. Wir gratulieren Frank und Stefan zum Sieg in der Trostrunde und wünschen guten Appetit beim Verzehr des gewonnenen Schinkens.

Wieder einmal zeigt sich das der VC Sanitz nicht nur in der Halle ein ernst zu nehmender Gegner ist, sondern auch im Sand überzeugt. Mit einem eigenen Beachvolleyballplatz in Sanitz könnten diese Erfolge meines Erachtens noch ausgebaut und vorhandenes Können an die Jugend weiter gegeben werden.

Gruß
Claudia und Matthias