Auswärtsspieltag der Herren in Parchim

Nach den siegreichen Spieltagen unserer Damen in diesem Jahr und einem oberen Tabellenplatz unsererseits, könnte 2018 das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte werden. Doch wie können wir das erreichen?

Können wir spielerisch was dazu lernen? - Wohl eher nicht, schaut man auf unser Durchschnittsalter.

Können wir uns technisch verbessern? – Schwierig, da viele von uns erst auf dem zweiten sportlichen Bildungsweg zum Volleyball kamen.

Können wir athletisch zulegen? – Vielleicht, aber dafür schmeckt das Essen zu gut und auch die Robotertechnik ist wohl noch nicht so weit.

Was bleibt ist Eigenreflexion. Die Einstellung muss stimmen.

Nach einen schweißtreibenden Donnerstagstraining (war auch nicht immer so) und dem Ende der anstrengenden Arbeitswoche, machten wir uns letzten Samstag auf den Weg nach Parchim. Frank erkannte wohl zuerst die Wichtigkeit des anstehenden Spieltages. Statt Wohlfühlatmosphäre und Streicheleinheiten begann das Anschwitzen, befeuert durch anregende Gespräche, schon auf der Hinfahrt. Endlich da, kurze Begrüßung, fix paar Klopse muffeln und natürlich den mitgebrachten Kaffee in die Halle kippen. Wir machten dem „Dorfverein“ Sanitz gleich nach Ankunft alle Ehre.

Im ersten Spiel des Tages stellten wir dann erstmal das Schiedsgericht. Wie immer eine souveräne Leistung. Nur Ronny war einmal bei seinen Meditationsübungen so sehr in Raum und eben Zeit verschwunden, dass es etwas dauerte, bis er dem ersten Schiedsrichter das richtige!!! Handzeichen gab. Natürlich lag es nicht nur an dieser Aktion, dass sich der SV Einheit Ückermünde erst nach einer gefühlten Ewigkeit (knapp zwei Stunden Spielzeit) gegen den 1.VC Parchim mit drei zu zwei durchsetzen konnte. Wir waren erstmal eingeschläfert. Nur gut, dass unser Mannschaftsrat die Kunst der Führung beherrscht und immer einen Wachmacher parat hat. Die Lösung: Mannschaftsbesprechung in der Umkleidekabine. Hierbei kommt es nicht so sehr darauf an, was gesagt wird, sondern in welcher Lautstärke und mit welcher Entschlossenheit. Nach dieser kurzen, aber heftigen Gehirnwäsche wären wir wohl alle bereit dafür gewesen fürs Vaterland zu sterben. Aber ging es nicht nur um Landesliga-Volleyball? Egal, die Einstellung stimmte jedenfalls. Wir waren bereit für den VC Sanitz zu spielen.

Gegen Ückermünde sollte es auch gleich in die Vollen gehen. Bei der ersten Blockaktion verletzte ich mich am kleinen Finger. Ein Schmerz wie ihn sonst nur gebärende Frauen spüren können, zuckte durch meinen Körper. Wehleidig schlich ich vom Platz. Doch dann wurde mir bewusst, dass wir keine Wechseloption haben. Ich stellte mir schon ein Leben ohne kleinen Finger vor, doch es half alles nichts, auch ich musste ein Opfer für den VC Sanitz bringen und mich einmal wie ein Mann verhalten. Auch bei den anderen Spielern muss der Schock über die Brutalität des Volleyballsports wohl tief gesessen haben, jedenfalls mussten wir den ersten Satz mit 22 zu 25 abgeben. Doch nun entwickelte sich die Partie zu unseren Gunsten. Den zweiten Satz erzwangen wir noch (27 zu 25), den dritten (25 zu 12) und vierten (25 zu 17) dominierten wir. Gegen Ückermünde klappte wirklich viel. Die Angriffe wurden durchgebracht, Block und Abwehr standen. Der gute Hallenboden mit Federfunktion tat sein Übriges und ließ uns förmlich abheben.  

Richtig, abheben, da war doch was? Aber was sollte uns nach dieser Vorstellung schon passieren, hatte der gerade an die Wand gespielte Gegner Ückermünde nicht gegen Parchim gewonnen? Wie so oft in dieser Saison, mussten wir erfahren, dass die stärkste Mannschaft immer die nächste Mannschaft ist. Parchim stellte gegen uns ihr Team neu auf und legte gleich richtig los. Unsere (teilweise) alten Knochen wurden immer müder und es zeigten sich anfängliche Ausfallerscheinungen. Auch die Banane für zwischendurch konnte das 22 zu 25 im ersten Satz nicht abwenden. Auch im zweiten Satz sah es lange düster aus. Beim sieben zu 14 gegen uns wechselten wir im Zuspiel. Nun lief es mit einmal und wir konnten auch mal unsere Erfahrung ausspielen. Gute Entscheidungen im Zuspiel, starke Angriffe und clevere  Aufschläge ließen uns diesen Satz zu 21 gewinnen. Der dritte Satz stand dann unter dem Motto: „der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“. Die Annahme ging weg, es fehlte die Präzision, wir sprangen nicht mehr aus, trafen den Ball nicht richtig, krampften teilweise. Kurzum unsere Körper machten nicht mehr was sie sollten. Parchim dagegen stellte nochmals um und kam gerade in Block und Abwehr jetzt noch besser ins Spiel. Folgerichtig beendeten wir den dritten Satz 20 zu 25 gegen uns. Was nun? Wir waren uns einig, irgendwas Verrücktes musste geschehen. - Und es geschah. Wir stellten Elias auf außen und Martin spielte diagonal. „Wie crazy ist das denn?“, fragten sich wohl auch die Parchimer als sie den vierten Satz zu 16 an uns abgeben mussten. Im Tiebreak war wohl das Überraschungsmoment aufgebraucht, leider verloren wir nach zähem Kampf mit 10 zu 15.

Doch bleiben wir wie immer positiv:

-          vier Punkte gewonnen

-          alles probiert

-          die Einstellung stimmte

Vielen Dank an Julia, Kristin und Micha für die Unterstützung vor Ort.

Spieler in der Einzelkritik:

Andre: Kämpferische Spitzenleistung. Nach zwei Spielen im Dauereinsatz schien er gegen Ende leicht zu schwächeln. Wahrscheinlich jedoch alles Tarnung um den Gegner in Sicherheit zu wiegen. Belehrte uns dann auch gleich eines Besseren, als er einen zehn Jahre jüngeren und zehn Zentimeter größeren Gegenspieler so was von weg blockte.

Elias: Vorne gewohnt durchschlagskräftig und auch hinten mit einer feinen Leistung. Versucht sein Spiel ständig zu verbessern und sucht jedes Mal nach neuen Stellschrauben. Meiner Meinung nach übertrieb er es jedoch diesmal, als er um Gewicht zu sparen einfach ein kleineres Trikot anzog.

Frank: Das konnte sich wirklich sehen lassen. Solide Annahme und auch im Angriff überzeugend. Hier mit einem guten Mix aus hart cross, hart line und gefühlvollen Legern.

Jules: Nach langer Verletzungspause mal wieder im Kader und gleich richtig gut abgeliefert. Auch bei ihm, gutes Wechselspiel zwischen locker aus dem Handgelenk und volle Pulle.

Martin: Starkes erstes Spiel. Ging wohl an seine Leistungsgrenze, im zweiten Spiel jedenfalls der Unterzuckerung nahe. Konnte sich dann zum Glück mit Bananen und Klopsen wieder aufrappeln. Vielleicht sollte er mal darüber nachdenken, sich einen altersgerechten Wohlstandsbauch zuzulegen, um solchen Ausfallerscheinungen vorzubeugen.

Micha: Leider verletzt und daher „nur“ als Mannschaftsbetreuer aktiv. Kam trotzdem ins schwitzen, weil er die Mannschaft dirigieren, spontane Einzelgespräche führen und natürlich den Schiedsrichter im Auge behalten musste. Saubere Leistung, mit der er sich das Duschen redlich verdient hatte.

Mirko: Vorne gewohnt stark und auch hinten mit gelungenen Aktionen. In Rotation mit Frank und Jules auf dem Feld. Liefert meiner Meinung nach noch besser ab, wenn man ihn einfach mal spielen lässt.

Philipp: Diesmal als Libero aufgestellt und wirklich ohne Fehl und Tadel. War der Fels in der Brandung und versuchte in hektischen Phasen seine Mitspieler zu beruhigen. Für mich mit herausragender Leistung.

Ronny: Hatte an diesem Tag alles versucht. Erstmal den Kaffee verteilt, um ihn durch die Nase besser aufnehmen zu können. Dann als Linienrichter kurz meditiert, um die Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen. Die Mannschaft vor dem Spiel eingestimmt, um eventuelle Fehler zu vermeiden. Und dann leider wenig gespielt, sich aber vorbildlich in den Dienst der Mannschaft gestellt.

Toni: Da wir zwei starke Zuspieler haben anfangs auf der Bank. Dann aber voll da. Mit druckvollen Aufschlägen, guten Entscheidungen und präzisen Pässen. Prädikat wertvoll.

Matze: Nach kräftezehrender Arbeitswoche im Wald und zweimal Training fühlte ich mich Samstag früh so, als hätte ich den Spieltag schon hinter mir. Doch ich wusste, Gejammer will heute keiner von mir hören. Dann noch diese schreckliche Verletzung des kleinen Fingers, aber wieder riss ich mich zusammen und wir sicherten vier Punkte. Als ich dann endlich zu Hause war, Frau und Kind schon schliefen, fand ich in der Hausapotheke dieses rosa Einhornpflaster, das ich nun mit Stolz trage.

Autor - Matze -